Wahltag ist Zahltag…

 

… so der Volksmund. Irgendwie müssen die vielen Wahlversprechen doch finanziert werden und meist holt sich der Staat das Geld sowieso von den kleinen Leuten anstatt von den großen Konzernen.

Der Wahlkampf zur Landtagswahl in Bayern tobt bereits seit Aschermittwoch und ich hoffe, dass auch diese Wahl bald vorüber ist. Was wurde uns in den letzten Wochen und Monaten nicht alles versprochen. Brückensanierungen, Reaktivierung alter Bahnstrecken, schnelles Internet im ländlichen Raum, niedrigere Mietpreise in den Städten, ein Stopp der ständigen Flächenversiegelungen, Flüchtlingsunterkünfte und Ankerzentren – mit und ohne Stacheldraht.

Dummerweise werden wenige der Wahlversprechen nach dem Wahltag tatsächlich eingelöst, egal welcher Person oder Partei der Wähler sein Vertrauen geschenkt hat. Meist scheitert es am Geld oder am Koalitionspartner, oft aber auch daran, dass es gar keine echten Versprechen waren, sondern nur plumpes Wahlkampfgetöse, um auf Stimmenfang zu gehen. Je populistischer die Reden geschwungen wurden, desto schwieriger wird es, diese später wirklich einzulösen. Schnell bereut so mancher gutgläubige Wähler sein Kreuzchen, das er am Wahltag nach bestem Wissen und Gewissen gesetzt hat. Schnell stellt sich die Frage ein: Wem oder was kann ich denn überhaupt noch vertrauen, sind das nicht alles nur Lügner? Nicht von ungefähr haben Gebrauchtwagenhändler und Politiker im Volk die schlechtesten Umfragewerte unter den Berufsgruppen.

Jesus hätte mit den meisten seiner Aussagen und Anweisungen keine Wahl gewinnen können. Denn er hat den Leuten nicht nach dem Mund geredet. Er hat nichts versprochen, was er nicht auch halten konnte. Seine Aussagen und Anweisungen waren den Zuhören meist viel zu radikal, zu direkt, zu schwierig umzusetzen, zu persönlich formuliert. „Eins fehlt dir noch: Verkaufe alles, was du hast, und verteile das Geld an die Armen. So wirst du unverlierbaren Reichtum im Himmel haben. Dann komm und folge mir!“ (Lukas 18, 22b-23).

Und selbst die, die trotz aller Entbehrungen vor 2000 Jahren ihr Kreuzchen für Jesus gemacht haben, kamen hin und wieder ins Zweifeln, ob sich diese Entscheidung wirklich gelohnt hat oder ob sie nicht vielleicht doch aufs falsche Pferd gesetzt haben. „Da sagte Petrus zu Jesus: Sieh doch: Wir haben unseren Besitz zurückgelassen und sind dir gefolgt.“ (Lukas 18,28) Petrus ließ z. B. seinen Vater alleine mit dem Fischerboot zurück am See Genezareth. Deshalb würde Petrus schon gerne von Jesus wissen, ob sich das alles gelohnt hat, ob es wirklich nötig war, alles aufzugeben, um Jesus nachzufolgen.

„Jesus antwortete seinen Jüngern: Amen, das sage ich euch: Jeder, der für das Reich Gottes etwas zu­rückgelassen hat – Haus, Ehefrau, Geschwister, Eltern oder Kinder -, wird dafür ein Vielfaches neu bekommen – schon jetzt in dieser Zeit – und das ewige Leben dann, wenn Gottes Reich kommt.“ – Ob das die Antwort war, die Petrus und die anderen Jünger hören wollten? Das hört sich dann doch wieder irgendwie nach Vertröstungstaktik an, um im Bild der Wahlversprechen zu bleiben. So ein bisschen wie „in dieser Legislaturperiode konnten wir unsere Wahlversprechen leider nicht einlösen – aber in der nächsten bestimmt!“ Was konkret meinte Jesus mit der Aussage „…wird dafür ein Vielfaches neu bekommen – schon jetzt in dieser Zeit – und das ewige Leben dann, wenn Gottes Reich kommt?“

Im weiteren Verlauf des Gespräches mit den Jüngern macht Jesus folgende Aussagen: „Seht doch, wir ziehen jetzt hinauf nach Jerusalem. Dort wird alles in Erfüllung gehen, was die Propheten über den Menschensohn geschrieben haben: Er wird den Heiden ausgeliefert, die unser Land besetzt haben. Er wird verspottet, misshandelt und angespuckt werden. Sie werden ihn auspeitschen und töten.“ (Lukas 18,31-33a)

Das war wohl so gar nicht die Antwort, die der gute alte Paulus erwartete hatte. Das hört sich eher nach Niederlage auf ganzer Linie an. Aber Lukas 18,33 hat noch einen kleinen Nebensatz, der alles auf den Kopf stellt, der alles wieder gut macht: „Aber am dritten Tag wird er vom Tode auferstehen.“ (Lukas 18,33b) Dieser Satz ist mehr als jedes (Wahl-)Ver­sprechen, mehr als die Jünger je erhoffen konnten. Die Auferstehung Jesu öffnet die Tür hin zum ewigen Leben, hin zur Gemeinschaft mit Gott. Das ist mehr als ein Sechser im Lotto, mehr als jede absolute Mehrheit am Wahlabend.

Aber wie so oft verstanden die Jünger die Aussagen Jesu nicht. „Die Zwölf verstanden kein Wort. Der Sinn dieser Worte blieb ihnen verborgen. Sie begriffen nicht, wovon er sprach.“ (Lukas 18,34) Leider versteht die frohe Botschaft von der Auferstehung, dieses supertolle Angebot des Erlösers bis heute kaum einer. Der moderne Mensch lässt sich lieber mit utopischen (Wahl-)Versprechen locken und verführen. Angebote und Marktschreier gibt es zuhauf. Sie versprechen kein Leben nach dem Tod, aber die Erfüllung aller unserer Wünsche und Begierden im Hier und Jetzt. Wie werden Sie sich entscheiden?

Auf der letzten Verbund-Tagung, dem Treffen für Verantwortliche einer Mitarbeitergemeinschaft/Gemeinde innerhalb der CVJM ist in einer Predigt dazu ein sehr passender Satz gefallen. Er ging sinngemäß so: „Heute werden die Leute durch unsere medizinische Topversorgung 80-90 Jahre alt und dann ist Schluss. Früher wurden die Leute 30-40 Jahre alt und dann kam das ewige Leben!“ Was kommt bei Ihnen nach dem Tod?

Vielleicht ist auch dieses Jahr am Wahltag wieder Zahltag angesagt? Aber die größte Zeche aller Zeiten hat Jesus Christus durch seinen Tod am Kreuz für je­den von uns gezahlt! Denn wir alle hätten sonst den Tod verdient, weil wir Sünder sind, weil wir getrennt von Gott leben. „Denn der Lohn der Sünde ist der Tod. Aber die Gnade, die Gott uns gewährt, ist das ewige Leben. Denn wir gehören zu Christus Jesus, unserem Herrn.“ (Römer 6,23) Nehmen Sie bitte dieses Geschenk (die Gnade Gottes) für sich persön­lich an, ein besseres Angebot gibt es nicht – und das sogar umsonst!

 

In Christus verbunden,

Ihr Michael Merz